Was brauchen wir wirklich?

In den letzten Tagen habe ich einige Dinge bei eBay eingestellt, und wie es bei sehr vielen Dingen ist, werde ich sehr wahrscheinlich weniger Geld für diese Dinge bekommen als ich dafür ausgegeben hatte. Das wäre alles kein Problem, wenn ich diese Dinge wirklich gebraucht hätte und ihr Wert dadurch verringert worden wäre. Aber die Wahrheit ist, dass ich viele dieser Dinge kaum gebraucht habe. Ich habe Jeans bei eBay eingestellt, die ich vielleicht 2 oder 3 Mal anhatte, die mehr als 100€ gekostet haben und jetzt wahrscheinlich für weniger als 30€ wenn überhaupt verkauft werden. Wie viel Geld hätte ich in meinem Leben gespart, wenn ich mich nicht hätte verführen lassen (oder manchmal eher mich selbst verführt hatte)? Sehr wahrscheinlich eine Summe im fünfstelligen, wenn nicht sogar im sechsstelligen Bereich. Hat mich der Kauf dieser Dinge glücklich gemacht? Wenn dann nur sehr kurzfristig.

Im März 2016 ist Heidemarie Schwermer gestorben, sehr zu empfehlen ist die kostenlose Dokumentation über sie Leben ohne Geld. Ungefähr 20 Jahre lebte sie fast ohne Geld. Sie hatte ihre Wohnung aufgegeben, ihr Hab und Gut verschenkt, und lebte aus einem Koffer bei Freunden oder Bekannten. Ihr Credo war nicht, dass alle so leben sollten wie sie, aber zumindest über alternative Modelle nachdenken sollten. Denn ihr Leben war nur dadurch möglich, dass sie in einer Überfluss-Gesellschaft lebte, einer Gesellschaft, in der zu viel produziert wurde und das Überflüssige gegen Arbeit (aber nicht Geld) getauscht werden konnte. Sie sagte, sie fühlte sich frei, sie habe keinen Stress, denn genau das Geld würde sie unfrei machen.

Wir geben Geld aus für Dinge, die wir nicht brauchen. Wir stressen uns, dass wir das Geld verdienen, das wir brauchen für Dinge, die wir nicht brauchen (natürlich verdienen wir auch Geld für Dinge, die wir brauchen, denn nicht jeder mag wie Heidemarie Schwermer ohne Wohnung leben). Aber am Ende des Tages geht es nur darum, Dinge zu besitzen, von denen man denkt, dass andere von einem etwas Bestimmtes denken, wenn man sie besitzt, oder weil wir glauben, dass wir uns besser fühlen, wenn wir sie besitzen. Es geht gar nicht darum, ob man sie wirklich benötigt für sein Leben, sondern mehr darum, wie man sich selbst und von anderen wahrgenommen wird.

Als ich vor 5 Jahren mein Auto verkauft hatte, hielten mich die meisten für verrückt. Es sei doch ein Stück Freiheit, sagte ein Bekannter. Für mich war es keine Freiheit, dass ich mich ständig um dieses Auto kümmern musste. Und dann war es auch nur ein Golf, kein Mercedes oder Audi. Hatte ich ein Auto gebraucht? Nicht wirklich, nicht mitten in Hamburg. Stand es die meiste Zeit rum? Ja, und es wurde dadurch nicht wertvoller. Ist es wirtschaftlich sinnvoller, mit dem ÖPNV, Car Sharing und Fahrrad zu fahren? Ja, auf jeden Fall, das habe ich genau nachgerechnet, selbst wenn ich mir ab und zu ein Auto von einer Autovermietung leihe. Tatsache ist, dass ich mich ohne Auto viel freier fühle.

Was brauchen wir wirklich?

Entrümpeln der eigenen Zeit, Teil 2

In dem ersten Beitrag ging es darum, dass nicht nur materielle Dinge unsere Zeit in Anspruch nehmen, sondern auch immaterielle Dinge. Nicht alles davon ist schlecht (Sport versus Fernsehen), aber manches tun wir auch nur deswegen, weil wir Unangenehmen aus dem Weg gehen wollen. Das gilt für das reale Leben (Shopping) genau so wie für das digitale Leben (Facebook). Unser Leben ist auch digital voller Gerümpel.

Ich halte nichts davon sich von Facebook etc abzumelden. Sehr wahrscheinlich hat man zwar nicht viel verpasst, wenn man einen Monat weder auf Facebook noch auf Spiegel Online war, aber wenn es nicht Facebook oder Spiegel Online ist, denen wir unsere Zeit schenken, dann ist es etwas anderes. Viel wichtiger als sich selbst Einschränkungen aufzuerlegen ist es zu verstehen, warum man manche Dinge tut. Denn erst dann empfindet man es nicht mehr als Einschränkung, nicht mehr auf Facebook zu gehen. Und ist es nicht sogar ein Automatismus, dass man schnell was anderes tut, um einer unangenehmen Situation aus dem Weg zu gehen? Funktionieren wir nicht zum Teil automatisch, d.h. wir nehmen es zum Teil nicht mal mehr bewusst wahr, dass wir gerade wieder auf Spiegel Online gehen anstatt eine komplizierte E-Mail weiter zu schreiben?

Wie können wir unsere Zeit entrümpeln? Manche Menschen haben einschneidende Erlebnisse, nach denen sie beschließen, ihre Zeit ab sofort anders zu verbringen, und das klappt manchmal auch über einen längeren Zeitraum. Das Anwenden von Produktivitätshilfen wie der Pomodoro-Technik kann ein guter Ansatz sein, sich auf eine Sache zu konzentrieren, aber dazu muss man sich zum einen auch daran erinnern, dass man sie einsetzen will; zum anderen fühlt es sich so an, als müsse man sich zu etwas zwingen. Und schließlich muss man sich zunächst einmal darüber im Klaren sein, wofür man eigentlich seine Zeit ausgeben will. Man kann sehr effizient etwas tun, was einen aber überhaupt nicht weiter bringt.

Ich persönlich glaube an das Konzept der Achtsamkeit: Sich dessen bewusst sein, was man gerade tut. Wahrnehmen, dass man gerade vor etwas flüchtet. Das, was man tut, bewusst tun. Die Automatismen durchbrechen. Achtsamkeit lernt man zum Beispiel durch regelmäßige Meditation, schon ab ein paar Minuten täglich ist man dabei.

Dieser Ansatz hat allerdings zwei große Nachteile: Er kostet Zeit, und er kostet Geduld. Das ist heutzutage nicht besonders attraktiv, viel cooler wäre es, wenn es auch dafür eine App gäbe. Oder vielleicht eine tolle Webseite, die einen besseren Tipp auf Lager hat. Das ist ungefähr so wie die Hoffnung, dass man mit einem Trick innerhalb von 2 Wochen 10 Kilo Bauchfett verliert („Wissenschaftler sind schockiert!“ :-))

Ein paar Tipps habe ich aber dennoch auf Lager:

  • Wie wäre es zum Beispiel damit, die Seiten zu blockieren (im Browser oder im Router), auf die man regelmäßig geht, um sich abzulenken? Die Chrome-Erweiterung SiteBlock erledigt das.
  • Die Facebook-App deinstallieren. Wenn man unbedingt auf Facebook muss, dann kann man das immer noch über den Browser. Spart Batterie und jede Menge Unterbrechungen durch Benachrichtigungen. Das Gleiche gilt für Twitter, es sei denn, man ist ein kreatives Genie, das wirklich etwas zu sagen hat. Für Pinterest und Instagram gilt das Gleiche.
  • E-Mails kann man schneller beantworten, indem man das Email Game spielt
  • Und wenn man gerade schon dabei ist: Alle Newsletter abbestellen. Oder automatisch wegsortieren lassen (die meisten Mail-Programme beherrschen das). Wenn man wirklich etwas vermisst, dann kann man immer noch nachschauen.
  • Abonnements durchgehen: Muss ich wirklich noch Mitglied in einem bestimmten Verein sein? (Ich frage mich das jedes Jahr, wenn der CCC-Mitgliedsbeitrag abgezogen wird). Brauche ich wirklich Abos für mehr als einen Streaming-Dienst? Lese ich die Zeitung/Zeitschrift überhaupt, die jeden Tag, jede Woche oder jeden Monat kommt?
  • Zettel an strategischen Punkten (Kühlschrank, Weinschrank, Fernbedienung, Portemonnaie, …), die daran erinnern bewusst darüber nachzudenken, was man gerade im Begriff ist zu tun, können Wunder wirken.
  • Sich jeden Morgen vor dem Aufstehen darüber im Klaren sein, was die drei Dinge sind, die man erreichen will an diesem Tag. Was sind die Dinge, die mir wirklich das Gefühl geben, dass ich etwas erreicht habe am Ende des Tages?

Nicht alle Tipps beheben zwar nicht das eigentliche Problem (man hat ja immer noch Lust, auf eine Seite zu gehen oder einen Wein zu trinken), aber sie helfen, die Automatismen durchzubrechen und vielleicht eine andere Gewohnheit zu schaffen.

 

Entrümpeln der eigenen Zeit, Teil 1

In den bisherigen Beiträgen ging es darum, wie man die Anzahl materieller Dinge in seinem Leben reduziert, um zu entrümpeln. Das hat nicht nur den Vorteil, dass weniger Chaos in der Wohnung herrscht, sondern auch, dass man in der Regel Geld spart. Entrümpeln und Geld sind aber nur zwei Faktoren, ein weiterer Faktor ist für mich persönlich noch viel wichtiger: Zeit.

Materielles ist ein Teil dessen, wofür unsere Zeit draufgeht, sei es durch Shoppen, Recherchieren, was man kaufen könnte oder sich um das zu kümmern, was man besitzt. Je mehr man besitzt, desto mehr Zeit geht dafür drauf. Ein paar Beispiele:

  • Wer eine Immobilie besitzt (oder sogar mehrere) hat viel damit zu tun, alles instand zu halten. Nicht umsonst sagt man „Nicht Du hast das Haus, sondern das Haus hat Dich“. Es ist für mich z.B. total schön, einen Kaminofen zu haben. Aber das Recherchieren nach passendem, günstigen und transportierbaren Holz ist ein Zeitfresser.
  • Spielkonsolen und die dazu gehörigen Spiele, alles will gespielt werden, und die ungesehenen DVDs im Regal bereiten ein zusätzliches schlechtes Gewissen.
  • Nicht anders ist es mit Büchern (nicht, dass Bücher etwas Schlechtes wären), bei jedem ungelesenen Buch auf meinem Noch-zu-lesen-Stapel frage ich mich, warum ich a) das Geld bereits ausgegeben habe (vielleicht um mehr Druck auf mich auszuüben, es auch zu lesen?) und b) wann ich eigentlich die Zeit finden soll, es zu lesen.
  • Ein Auto/Motorrad/Boot: Alles muss instand gehalten werden, ein Motorrad muss zum Beispiel ständig geputzt werden

Bei diesen Beispielen ist klar, dass wir nicht nur Geld investiert haben, sondern auch Zeit investieren müssen, um das Gekaufte auch zu nutzen. Was fangen wir mit der übrigen Zeit an (abgesehen von der Zeit, die wir mit Arbeit verbringen)?

  • Wir sind bei Facebook/Twitter/Pinterest/Instagram oder anderen sozialen Netzwerken
  • Wir sind bei Spiegel Online, zeit.de, reddit.com oder anderen Seiten, die wir online lesen
  • Wir chatten
  • Wir telefonieren
  • Wir schauen Fernsehen
  • Wir treiben Sport
  • Wir räumen auf
  • Wir lesen und beantworten E-Mails
  • Wir treffen uns mit Freunden
  • Wir gehen feiern und tanzen
  • Wir entspannen uns bei einem Bier oder Glas Wein

Einige der Aktivitäten sind sicherlich gesund und wichtig (Sport, Kontakt zu Freunden und Familie, etc), aber bei allen Aktivitäten kann man auch die Frage stellen, warum man sie gerade tut. Warum bin ich bei Facebook und lese die Status-Meldungen meiner „Freunde“ durch? Warum bin ich bei Spiegel Online, wenn ich eigentlich gerade etwas erledigen will, was viel wichtiger wäre? Warum räume ich gerade dann auf, wenn ich eigentlich etwas anderes tun müsste? Warum chatte ich lieber als dass ich mich mit mir selbst beschäftigen könnte (und zum Beispiel einfach lese)? Warum trinke ich ein Glas Wein?

Zum einen tun wir viele von diesen Dingen, weil sie einfach da sind. Die Flasche Wein, die ich geschenkt bekommen habe, lacht mich an. Facebook und Spiegel Online sind nur zwei Klicks entfernt und einfach zu konsumieren. Wir schlagen Zeit damit tot. Zeit, die nie wieder kommt. Die wir anscheinend nicht sinnvoller füllen können oder wollen. Vielleicht auch weil die Alternative anstrengender ist. Aufräumen ist nur so lange schlimm wie man nix Schlimmeres zu tun hat. Und ich selbst habe mich ertappt, dass ich gerade bei der schwierigen Suche nach einem passenden Titel für diesen Artikel erst mal einen Tab mit Spiegel Online aufgemacht habe. Erst mal ablenken.

Wie sähe unser Leben aus, wenn wir

  • nicht mehr auf Facebook/Twitter etc wären?
  • nicht mehr Fernsehen schauten?
  • nicht mehr Zeit auf Online-Seiten verbrächten?
  • nicht mehr chatten?
  • nicht mehr das täten, was gerade nur einfach und bequem ist?
  • das tun, was eigentlich wichtig wäre zum Erreichen unserer wirklichen Ziele (sportlicher werden, eine Sprache, ein Instrument oder eine andere Fähigkeit erlernen, eine gute Beziehung zu unserem Partner haben)?

Wie oft gehen wir abends ins Bett und haben nichts von dem getan, was wir eigentlich tun wollten? Nicht nur unsere Wohnungen und Häuser sind voller Gerümpel, sondern auch unsere Zeit. In den nächsten Wochen werde ich mehr dazu schreiben, wie wir mehr von unserer Zeit zurück gewinnen können.

Das Verlangen aushalten, etwas kaufen zu wollen

Ich hatte schon berichtet, dass ich kurz davor war, mir den kleinen BB8 zu kaufen, dann aber abgeschreckt war, da The Compact ein Muster in mir hinterlassen hat. Jeder von uns kennt diese Impulse „Haben wollen“, und das ist genau der Impuls, den die Werbetreibenden in uns auslösen wollen.

Vorstellen möchte ich nun zwei Methoden, die sowohl einzeln als auch zusammen genutzt werden können:

  • Alles, was man haben möchte, wird auf eine Liste geschrieben. 30 Tage darf man diese Dinge nicht kaufen. Ist das Verlangen nach diesen Gegenständen nach 30 Tagen immer noch ungebrochen, dann darf man sie kaufen.
  • Für jeden Gegenstand, den man kauft, müssen zwei Gegenstände entsorgt werden, und zwar idealerweise vom gleichen Wert. Wenn ich also ein neues Handy nach Hause bringe, dann muss das alte Handy raus (und nicht in einer Schublade verschwinden, auch wenn man es als Ersatz-Handy nutzen möchte: Sobald man auf das alte Handy wechselt, wird man sofort ein neues kaufen, weil das Alte so langsam ist). Ein Gegenstand rein, zwei raus, so einfach wird die Wohnung leer 🙂

Inbesondere beim Kleiderschrank ist die zweite Methode sehr hilfreich. Eine Zeit lang hatte ich eine bestimmte Anzahl von Kleiderbügeln, und für jedes Kleidungsstück, das ich kaufte, musste ein anderes Kleiderstück vom Bügel. Eins gegen eins ergibt aber erst dann Sinn, wenn der Kleiderschrank schon entrümpelt wurde.

Die Intention bei beiden Methoden ist darüber zu reflektieren, was man wirklich benötigt und nicht gleich dem ersten Kaufimpuls nachzugeben. Oft genug hat man nach zwei Wochen gar nicht mehr das große Interesse. Und wenn man sich gleichzeitig überlegen muss, was man gleichzeitig nicht mehr haben möchte, dann beginnt man zu vergleichen, ob der Gegenstand wirklich so toll ist wie das, was man schon hat.

Zwei sehr einfache Methoden, die uns eine andere Art des Konsums ermöglichen!

Entspannter leben mit weniger Technik

Heute habe ich im Rahmen meines DailyDeclutter-Projekts meinen FitBit Flex entsorgt. Die Batterie musste immer öfter aufgeladen werden, meine Frau war genervt, wenn ich ihn im Bett noch am Handgelenk hatte (um den Schlaf zu messen), und dann habe ich ihn (weil ich ihn abnehmen musste) auch noch ab und zu vergessen, so dass meine Statistiken nicht mehr stimmten.

Ich hatte eine Menge Spaß mit dem Fitbit, knapp zwei Jahre habe ich ihn genutzt. Es ist nicht so, dass ich vorher nur faul rumgehangen hätte, aber dadurch, dass meine Frau auch einen hat, habe ich mich noch mehr bewegt.Als ich an einem Abend weniger Schritte als meine Frau hatte, bin ich zu Fuß vom Flughafen Fuhlsbüttel nach Altona gelaufen (2 1/2 Stunden). In New York war ich an einem Tag 40.000 Schritte gegangen, mein absoluter Rekord.

Doch wenn mich eines genervt hat, und das von Anfang an, dann das regelmäßige Aufladen. Ich brauchte immer ein Spezialkabel für den Fitbit. Genau so wie ich einen speziellen Auflader für meine Android Smartwatch benötige. Oder für mein OmegaWave. Und den LumoLift (den ich gerade irgendwie geschrottet habe). Netterweise verwendet mein Arbeitshandy, das Tablet (das ich so selten nutze, dass es immer leer ist, wenn ich es nutzen will), der alte Kindle und die Anker (zusätzliche externe Batterien) den gleichen USB-Anschluß, nur mein privates Handy will schon den neuen USB-C-Anschluss. Will man alles mit auf eine Reise nehmen, benötigt man schon 6 verschiedene Kabel und/oder Aufladegeräte.

Ich könnte jetzt über die Elektronikindustrie lästern, dass sie sich nicht auf Standards einigen kann. Ich könnte mir aber auch Gedanken darüber machen, wie oft mein Leben davon bestimmt wird, dass mir ein Stück Technik sagt, was ich zu tun habe. Denn das hat nicht nur mit unterschiedlichen Aufladesteckern zu tun. „Lade mich auf!“ Oder „Ich benötige ein Update!“ Oder „Ich zicke jetzt rum, weil Du mich so lange nicht genutzt hast!“ Oder noch schlimmer: „Ich zicke jetzt einfach so rum, und keiner wird verstehen warum, auch wenn Du jetzt Stunden lang auf Fehlersuche gehst“ (Ich verstehe bis heute nicht, warum mein MacBook so lange braucht um nach dem Aufwachen ins WLAN zu finden).

Wir kaufen und nutzen Technik, weil sie uns unterstützen, unser Leben einfacher gestalten soll. Sie bringt uns in der Regel einen Mehrwert. So hatte ich wie oben geschrieben eine Menge Spaß mit dem Fitbit und konnte sehen, wie viel ich mich bewege. Für manche Menschen ist das sicherlich auch in Bezug auf ihre Gesundheit eine gute Sache. Ich bin auch kein Maschinenstürmer, ganz im Gegenteil: Bei jedem neuen technischen Gadget bin ich höchst gefährdet, es zu kaufen. Aber bei jedem neuen technischen Gerät frage ich mich mittlerweile auch, wie viel mehr Zeit mich dieses Gerät kosten wird im Vergleich zu seinem Mehrwert. Denn anders als andere Dinge, die wir besitzen, erfordern elektronische Geräte, dass wir uns um sie kümmern. Oder, laut dem in der Sidebar erwähnten Satz aus Fight Club, besitzen uns diese Dinge nicht nur, sie bestimmen sogar über uns, was wir wann zu tun haben.

Irgendwann wird Technik all dies nicht mehr benötigen. Wir werden sie nicht mehr bemerken. Bis dahin müssen wir uns überlegen, wie viel mehr Technik uns wie viel Zeit kostet.

Gestern stand ich vor einem Philipps Hue. 5 Minuten. Dann war mir klar, dass ich nicht noch etwas haben will, was ich über mein Smartphone steuern muss. Dass konfiguriert werden muss. Dass sich nicht steuern lässt, wenn das WLAN mal wieder spinnt.

Einfach mal nichts kaufen

Ich hatte vor 9 Jahren schon an anderer Stelle über The Compact geschrieben, eine Bewegung, in der für eine bestimmte Zeit nichts Neues gekauft wird. Damals waren es meiner Meinung nach noch 6 Monate, heute wird auf der Yahoo-Seite von 12 Monaten geredet. Egal welche Zeit man sich vornehmen möchte, das Ziel ist, sich gegen den stetig steigenden Konsum zu wehren und damit auch gegen die dadurch verbundenen Umweltschäden (Gebrauchtes kaufen, denn dafür wird eine neue Ware weniger gekauft, weniger produziert und damit auch weniger weggeworfen), das Durcheinander in unseren Heimen zu reduzieren und ein einfacheres Leben zu leben.

Ursprünglich war es eine Challenge zwischen mehreren Freunden, die sich vorgenommen hatten, für ein Jahr nur Unterwäsche, Essen und Gesundheits- und Sicherheitsartikel zu kaufen. Es darf nur in Second Hand Shops gekauft oder mit anderen Personen getauscht werden. Aber der Schwur auf den temporären Konsumverzicht hat zusätzliche interessante Nebenwirkungen.

Für mich sind Buchläden ein Albtraum. Denn in den meisten gut geführten Buchhandlungen sehe ich eine Menge Bücher, die ich wahnsinnig gerne lesen würde. Und früher hatte ich einige davon in der Regel auch gekauft, denn ich hatte Sorge, dass ich das Buch vergessen oder gar nicht mehr finden würde (heute schieße ich ein Foto davon oder packe sie auf meine Amazon-Wunschliste). Ich weiß nicht, wie viele Bücher ich in meinem Regal stehen habe, die ich noch nicht gelesen habe. Auf meinem Nachttisch stapeln sich eine Menge Bücher, die ich unbedingt noch lesen will. Anderen geht es mit DVDs so (bei einem Freund sah ich zwei Regalbretter noch eingeschweißter DVDs). Wieder anderen mit Kleidung. Und dann haben wir noch die Fraktion derer, die eine Menge Elektronikkram sammeln. Oder Küchenhelfer. Und zu guter Letzt diejenigen, die gleich mehrere von diesen Vorlieben haben. Und wer ist nicht schon mal in die Stadt gegangen, um sich irgendwas zu kaufen und war dann entweder frustriert, dass er oder sie nichts gefunden hat ODER hat irgendetwas gekauft, nur um etwas gekauft zu haben?

The Compact erlöst uns von all diesen „Leiden“. Es ist befreiend, nichts kaufen zu müssen. Und meine The Compact-Zeit wirkt nach all den Jahren immer noch nach. Nur ganz selten kaufe ich mal etwas Neues. Es gibt immer wieder Dinge, auf die ich irgendwie reinfalle oder zumindest Gefahr laufe, darauf reinzufallen (der Sphero BB8 gehört dazu), aber meine Erfahrung ist, dass mich fast nichts von dem Gekauften wirklich auf Dauer glücklich gemacht hat. Wie viel Zeit könnte ich mit dem BB8 spielen ? Wie lange hätte ich daran Spaß? Und das für über 150€? All diese Fragen schießen mir heute durch den Kopf. Seit bald zwei Jahren interessiere ich mich für ein bestimmtes Objektiv für meine Kamera, aber selbst als ich im Laden mal ein Exemplar fand, zuckte wieder der The Compact-Gedanke in mir. Obwohl ich The Compact damals nicht einmal komplett 6 Monate durchgehalten hatte (ich hatte ein Klavier gekauft, was ich aber gebraucht so nicht finden konnte), habe ich die Gedanken noch heute. Denn ich habe gelernt, wie befreiend es ist, nichts kaufen zu müssen. Ganz abgesehen davon, dass ich dadurch auch Geld gespart hatte (was ich dann aber für andere Dinge wie Erlebnisse ausgegeben habe).

Wer es testen möchte, kann einfach loslegen. Es ist keine Anmeldung irgendwo erforderlich, keine Mitgliedschaft. Natürlich ist die Diskussion in den einschlägigen Foren interessant, aber auch ohne stundenlange Recherche ist Mitmachen ganz einfach. Bis auf die oben genannten Dinge keine neuen Dinge kaufen. Keine neue Digitalkamera. Kein neues Handy. Kein Buch (gibts auch in der Bibliothek). Und so weiter. 6 Monate. 1 Jahr. So lange man möchte. Und schon tut man seinem Geldbeutel, seinem Heim und der Umwelt etwas Gutes. Einfach durch Nichtstun 🙂

Aussortieren im Kleiderschrank

Die meisten Kleiderschränke sind voller Klamotten, von denen wir in der Regel 20% am häufigsten tragen, der Rest eher selten bis gar nicht. Darunter Kleidung, die vielleicht ein wenig zu eng geworden ist, aber die man wieder tragen möchte, wenn wieder ein paar Kilo weniger auf der Waage angezeigt werden.

Das mit der Waage ist ein Thema für sich, schließlich lebt man jetzt und sollte sein Glück nicht davon abhängig machen, wie der Körper vielleicht irgendwann wieder aussehen wird. Jeden Tag Kleidung zu sehen, in die man nicht mehr reinpasst, ist auf jeden Fall nicht hilfreich, um sich besser zu fühlen. Und der Anblick hilft in der Regel auch nicht dabei abzunehmen, denn dann würden ganz viele Menschen ganz schnell abnehmen 🙂

Zurück also zum Entrümpeln des Kleiderschranks. Eine sehr simple Methode wurde durch Oprah Winfrey populär: Jedes Kleidungsstück, das auf einem Kleiderbügel hängt, wird verkehrt herum in den Schrank gehängt. Jedes Mal, wenn man eines dieser Kleidungsstücke trägt, wird der Bügel wieder richtig herum hinein gehängt, so dass man nach einiger Zeit genau sehen kann, welche Kleidung tatsächlich getragen wird und welche nicht. Die Inventur dessen, was man nicht trägt, kann schon nach 6 Monaten durchgeführt werden, allerdings sollte man dann nicht alles aussortieren, was nicht getragen wurde:

  • Bestimmte Kleidung trägt man nur zu seltenen Anlässen, zum Beispiel der schwarze Anzug für Beerdigungen
  • Kostüme für eine Party werden auch nicht jedes Jahr angezogen
  • Winterkleidung wird in der Regel nur im Winter angezogen, so dass man nach 6 Monaten im Herbst natürlich nicht die Winterkleidung entsorgen sollte, nur weil man sie nicht angezogen hatte.

Die Methode muss außerdem etwas erweitert werden für alle Kleidung, die nicht auf einen Kleiderbügel gehängt wird. So könnten zum Beispiel T-Shirts auf einen Stapel gelegt werden und nur die Shirts, die auch tatsächlich getragen wurden, kommen nach der Wäsche auf einen anderen Stapel.

Eine weitere Methode, die zumindest mit Kleiderbügeln funktioniert: Es wird eine bestimmte Anzahl von Kleiderbügeln definiert und festgelegt, dass kein weiterer Kleiderbügel hinzu kommt. Das bedeutet, dass für jedes Kleidungsstück, das gekauft wird, ein anderes Kleidungsstück weichen muss. So kann verhindert werden, dass der Kleiderschrank schnell wieder aus den Nähten platzt, ganz abgesehen davon, dass man sich schon bei einem potentiellen Kauf überlegen muss, welches lieb gewonnene Kleidungsstück man tatsächlich für den Neukauf opfern muss.

Tägliches Entrümpeln

Wir haben fast alle zu wenig Zeit oder zu wenig Energie oder beides, um so viel zu entrümpeln, wie wir eigentlich wollten oder müssten. Wir wissen, dass es mehrere Stunden dauern wird, einen Raum oder vielleicht gar nur einen Schrank zu entrümpeln, und wohin überhaupt mit dem ganzen Krempel?

Warum also nicht den riesengroßen Block an Entrümplungsarbeit in viele kleine Blöcke unterteilen, die viel einfacher zu bewältigen sind? Jeden Tag eine Sache rauswerfen. So dass am Ende des Jahres mehr raus- als reingetragen wurde. Und das Gute ist, dass Sie sich so langsam daran gewöhnen können, Krempel schneller loszuwerden… es wird Ihnen mit jedem Tag einfacher fallen.

Vielleicht hängen Sie sich einen Zettel in die Küche, „Was hast Du heute schon entsorgt?“ Und wenn man es einen Tag mal vergessen hat oder mehrere Tage nichts entrümpeln konnte, weil man im Urlaub war, überhaupt kein Problem: Für jeden Tag kann das Entrümpeln nachgeholt werden, ohne dass irgendein Nachteil entsteht. Und vielleicht halten Sie auch mit ihrer Handykamera fest, was Sie jeden Tag entsorgt haben (unter #dailydeclutter finden Sie einige Fotos auf Instagram, unter anderem auch von mir), so dass Sie am Ende eines Monats oder sogar Jahres sehen können, von was Sie Ihre Wohnung oder Ihr Haus befreit haben. Wahrscheinlich mehr als wenn Sie einen Tag in einem Raum mit Entrümpeln verbracht hätten.